Aktuelles

1. Februar 2021

Das Militär hat in Myanmar die Macht übernommen. Dieser Putsch kommt für die einen völlig überraschend, für andere war er vorhersehbar. Die Lage ist sehr angespannt und es ist noch nicht klar, wie sich alles entwickeln wird. Unsere Arbeit ist politisch neutral und darauf gerichtet, die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern.

 

2021

 Auch wenn sich seit Januar 2021 das Leben in Myanmar sehr langsam wieder normalisiert, wollen wir die Unterstützungsmaßnahmen anläßlich der  Corona Pandemie erst einmal bis Ende Juli fortsetzen, da die Notlage nach wie vor groß ist.

Wir werden vorzugsweise bedürftige Familien mit Reis versorgen, die medizinische Behandlung (auch zu COVID19) verbessern und Saatgut etc. für notleidende Bauern bereitstellen. Wir hoffen sehr, daß wir Ende des Jahres wieder mit Projekten zur beruflichen Bildung  beginnen können.(Stand 20.1.2021)

 

Besuch 2020 - Corona Virus

Im Februar/März 2020 habe ich -wie jedes Jahr- unsere Projekte in Myanmar und Thailand besucht.

Mit dem Dorfkommittee in Htan Tabin bei Yangon haben wir über die guten Ergebnisse des Projektes  Computertraining "Train the Youth" gesprochen. 107 Jugendliche (49M/58F) haben erfolgreich an den Kursen von Juli 2018 bis August 2019 teilgenommen  und über 50%  haben anschließend einen Job gefunden. (Näheres unter Projekte sowie Foto unten).

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Anfang April hat das Corona Virus auch in Myanmar das öffentliche Leben zum Erliegen gebracht; Kindergärten, Schulen, Universitäten, Geschäfte, Restaurants, Büros etc. wurden geschlossen. Diese Maßnahmen wirkten sich natürlich auch auf die  Dörfer in Htan Tabin aus. Alle Arbeiterinnen in den Textilfabriken wurden entlassen, da der Materialnachschub aus China ausblieb und die internationale Nachfrage einbrach. Während die  Reisbauern ihre Ernte noch zu günstigen Preisen an die Regierung verkaufen konnten, blieben die Gemüse- und Obstbauern auf ihren Produkten sitzen, da die Märkte geschlossen waren und die Käufer ausblieben. Viele Kleinbauern mit ihren Familien sind in ihrer Existenz bedroht.

Um die Folgen dieser Notlage abzumildern, haben wir einen Corona-Nothilfe-Fonds eingerichtet. Daraus konnten bis Ende 2020  in Absprache mit dem Dorfkommittee folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

Hilfszahlungen an Bauern, die keine Einkünfte erzielen konnten und fast vor dem Ruin stehen; ca. 251 Haushalte werden unterstützt. Der Zuschuss liegt im Durchschnitt bei 41€. Der höchste Zuschuss beträgt 150€., der niedrigste 30€. Die Vergabe der Mittel erfolgt nach Prüfung der Bedürftigkeit und  Besuchen vor Ort; entschieden wird nach 4-Augen-Prinzip.

Gesundheitsmaßnahmen: es wurden fast 5000 Masken hergestellt sowie  Desinfektionsmittel, Schutzkleidung, Medikamente und Testmaterial besorgt; ca. 25.000 Personen in den Dörfern profitieren davon.


  Auch unserer Stipendiat Toi Wai an der Sagaing University hat sich gemeldet und mitgeteilt, dass die Universität geschlossen ist und er deswegen zu seiner Familie aufs Dorf gefahren ist. Wann das Semester wieder weitergeht ist unsicher. An dieser Situation hat sich auch bis Anfang 2021 nichts geändert. 

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Mit Mitarbeitern von BAAN DOI habe ich in Mae Sai im Grenzgebiet von Thailand, Myanmar und Laos mehrere Familien besucht, die im Rahmen des Familienförderprogramms unterstützt werden (Näheres unter Projekte). 

Für die Neuaufnahme in das Programm  besuchten wir die Familie von  Loi (Name geändert). Loi  ist 11 Jahre alt und geht in die 5.Klasse; seine Versetzung in die 6. Klasse ist nicht gesichert, denn er geht nicht gern zur Schule und macht nur ungern Hausaufgaben. Da seine Mutter an HIV gestorben ist, lebt er bei Onkel und Tante in einem 6 Personen Haushalt. Sein Vater ist an Luftröhrenkrebs operiert; er arbeitet im Sicherheitsdienst in Bangkok und unterstützt die Familie soweit es geht. Die Ferien verbringt Loi bei seinem Vater in Bangkok, worauf er sich immer sehr freut. Der Familie stehen aus eigenem Verdienst täglich ca. 20€ zur Verfügung, das reicht weder für eine gesunde Ernährung noch für medizinische Versorgung , Medikamente und Schulgeld.

Baan Doi wird die Familie daher mit ca. 50€ pro Monat unterstützen sowie dabei beraten, wie sie mit Hühnern oder Gemüseanbau ein kleines eigenes Einkommen erwirtschaften kann. 

Uns liegt sehr viel daran, dass die Familien dabei unterstützt werden, schrittweise ein eigenes Einkommen z.B. durch Kleingewerbe, Schweinezucht, Handarbeit zu erwirtschaften, damit sie aus der Daueralimentierung  herauskommen und irgendwann auf eigenen Füßen stehen können.

Während der Corona Krise werden die Familien mit Gesichtsmasken, Handschuhen, Desinfektionsmitteln und anderen Schutzmitteln unterstützt. Zehn Familien bekommen einen Extra Zuschuss für Gartenbau und den Kauf von Hühnern. Die Familien können sich auch biologischen Reis von der Farm von Baan Doi bringen lassen.

 

 

Myanmar heute

Andauernder Rohingya-Konflikt, Militäraktionen, Menschenrechtsverletzungen, Demokratiedefizit, Behinderung von freier Berichterstattung – das sind die häufigsten Schlagzeilen, mit denen gegenwärtig über Myanmar berichtet wird.

Aber es gibt auch ein anderes Myanmar: nämlich das tägliche Leben in Stadt und Land. Wie haben sich in den letzten Jahren der Lebensstandard,  der Zugang zu sauberem  Wasser und Strom, wie haben sich Berufstätigkeit, Mobilität, Bildung und Telekommunikation entwickelt? Auskunft darüber gibt ein Bericht des Ministry of Planning and Finance von 2018 (aus Frontier Myanmar 6.8.18 und Myanmar Times 28.6.19):

  • Die Armutsrate sich in 12 Jahren fast halbiert: von 48% in 2005 auf 25% in 2017. Als arm gilt wer ca. 1€ (= K 1.500) pro Tag zum Leben hat. Deutliche Unterschied gibt es zwischen Stadt (11%) und Land (30%).
  • Die Zahl der Haushalte, die über Elektrizität verfügen, hat sich verdoppelt: 42% aller Haushalte sind jetzt an das nationale Netz angeschlossen, fast doppelt so viele wie 2005. 
  • Zugang zu sauberem Wasser haben jetzt  83% aller Haushalte gegenüber 66% in 2005. 6% aller Haushalte haben noch keine eigene Toilette, 2014 waren es noch 14%.
  •  Die Zahl der berufstätigen Frauen hat sich von 49% in 2005 auf 55% in 2017 erhöht.
  •  2017 gehen mehr Kinder im Alter von 10-14 Jahren zur Schule als noch 2005: nämlich 91% statt 58%.
  •  Während 2005  25% aller Haushalte einen Fernseher und 9% ein Motorrad hatten, besitzen dies  50% aller Haushalte im Jahr 2017.
  • Rasant hat sich der Besitz von Mobiltelefonen entwickelt: 2005 hatten 0,4% eins , in 2017 sind es 93%. Fast alle benutzen das Internet täglich.