Projekte

Unsere Fördermaßnahmen  beruhen auf dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe. Wir vertrauen auf die Fähigkeiten und Kompetenzen der Menschen vor Ort. Wir sind davon überzeugt, dass eine dauerhafte und stabile Verbesserung der Lebensverhältnisse vor allem aus eigener Kraft gelingen kann. Daher verteilen wir keine Almosen, sondern unterstützen Programme, in denen die Selbstverantwortung und Eigeninitiative  der Teilnehmer gefördert und gefordert werden. 

Wir engagieren uns im Landkreis Htan Tabin, ca. 40km nordwestlich von Yangon. Die Menschen leben dort in großer Armut; die meisten arbeiten als Tagelöhner in der Landwirtschaft. Viele Familien sind verschuldet, da Geldverleiher bis zu 20% Zinsen nehmen. 

Unter Anleitung der Welthungerhilfe haben sich 51 Dörfer mit ca. 4.500 Bewohnern zu Dorfgemeinschaften zusammengeschlossen.

Sitzung der Dorfgemeinschaft im Landkreis Htan Tabin

Elektronikwerkstatt
Elektronikwerkstatt

 

 

 

Sie haben Spar-und Kleinkreditgruppen gegründet, damit einzelne  mit einem Kredit zu fairen Zinsen ein Kleingewerbe aufbauen können.  

Schneiderwerkstatt
Schneiderwerkstatt

 

 

So betreiben manche eine Schneiderei oder Fahrradwerkstatt, einen Handwerkerbetrieb oder Lebensmittelkiosk, reparieren Elektronikartikel oder stellen Hausschuhe her.

 

 


Daw Hnin Aye, 50 Jahre, ist eine Witwe mit drei Töchtern; sie leiht sich Geld vom gemeinschaftlichen Sparfonds für ihr Kleingewerbe, die Herstellung von Hausschuhen. Sie ist aktiv beteiligt am Sparprogramm der Gemeinde, am Gartenbau und arbeitet als Ernährungsberaterin.

 

Unsere Projekte: 

 

I. Gesundheit: Häusliche Pflege (Mai bis Dezember 2022)

Aufgrund der aktuellen Situation in Myanmar, der Ausgangssperren und möglicher neuer COVID-19-Wellen ist die Gesundheitsversorgung kaum noch funktionsfähig. Jeder Krankenhausbesuch birgt ein Risiko. Viele können sich ohnehin einen Arztbesuch, Medikamente oder gar Krankenhausaufenthalt  wegen der hohen Kosten nicht leisten. Ein Arztbesuch kostet im Durchschnitt 3€; das entspricht dem gesetzlichen Mindestlohn pro Tag. Daher hat die Dorfgemeinschaft einen Gesundheitsfonds gegründet, in den jeder nach seinen Möglichkeiten einzahlt.  Dafür erhalten Familien  im Krankheitsfall eine Unterstützung teils als Zuschuss teils als Kredit. Bisher haben wir den Beitrag der Dorfgemeinschaft  mit Zuschüssen ergänzt, damit  der Gesundheitsfonds ausreichend gefüllt ist. 

Angesicht der jetzigen katastrophalen Situation richten wir einen Sonderfonds ein, um ein System zur häuslichen Pflege aufzubauen. Insbesonders chronisch kranke Personen können so mithilfe einer Pflegekraft zuhause medizinisch betreut und auch versorgt werden. Davon werden etwa 4% der Bewohner von Htan Tabin, also knapp 200 Patienten profitieren.  Die ersten drei Tage sind kostenlos, danach wird ein Eigenbeitrag fällig. 

Im Rahmen früherer Projekte sind Jugendliche bereits zu Pflegekräften ausgebildet worden.  Damit sie diese Fähigkeit weiterhin nutzen können, werden ca. 10 Personen für diese Aufgaben angestellt und können so ein eigenes Einkommen erzielen. Wir werden diese Qualifikationen ausweiten (s. u. II).  Der Tagessatz für eine Krankenschwester beträgt ca. 10€ (Stand März 2022). 

Langfristig soll sich das Pflegesystem selber tragen und zu einer besseren Gesundheitsversorgung in Htan Tabin beitragen. 

 

II. Berufliche Qualifizierung für Jugendliche (ab April 2022)

Im Rahmen einer Studie vor Ort haben unsere Projektmitarbeiter die Bedürfnisse und beruflichen Möglichkeiten für die Jugendlichen In Htan Tabin recherchiert. Als Ergebnis dieser Untersuchung werden wir 100 Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren beruflich qualifizieren und zwar in  folgenden Fächern, die  gute Berufschancen bieten: 

- Computerkenntnisse: Word, Excel, etc.

- Sprachen: Englisch bzw.Chinesisch

- Medizinisch-pflegerische Assistenz

- Pharmazeutische Assistenz

- Rechnungswesen

- Computerunterstütztes  Zeichnen.

85 Jugendliche werden online an den Kursen teilnehmen; sie nutzen dazu z. T. die Computer, die wir 2019 für "Train the Youth" (s. IV) angeschafft haben. Sie werden dabei von einem Projektkoordinator betreut. 15 Jugendliche besuchen in Yangon die Kurse im  Präsenzunterricht.  

Alle Kurse schließen mit einem Zertifikat ab. Wir rechnen damit, daß die Absolventen rasch eine Beschäftigung finden, um ein eigenes Einkommen zu erzielen.

20% der Kosten übernehmen die Teilnehmer selbst, den Rest finanzieren wir. 

 

 

III. Ausbildungsprojekt "Train the Youth" (abgeschlossen; von Juli 2018 bis  August 2019)

Die beruflichen Perspektiven in Htan Tabin sind besonders für die Jugendlichen katastrophalDaher haben wir das Projekt "Train the Youth" entwickelt. Es soll Jugendliche für den Umgang mit PC und Internet fit machen, damit sie sich auf bessere Jobs bewerben können. Im Grundkurs lernten sie den Umgang mit Word, Excel, Powerpoint und email-Kommunikation sowie Lebensläufe und Bewerbungsschreiben digital zu erstellen. Im Aufbaukurs spezialisierten sie sich auf Advanced Excel, Desktop Publishing, Graphic Design. 107 Jugendliche im Alter von  14-18 Jahren (49M/58F) haben erfolgreich an den Kursen von Juli 2018 bis August 2019 teilgenommen.

 

In einer Nachbefragung ergab sich, dass über 50%  anschließend einen Job gefunden haben als Bibliothekar, Lehrer, Büroangestellter, Techniker, Fabrikarbeiter etc. Das ist im Vergleich mit ähnlichen Projekten  ein sehr gutes Ergebnis. 

Ein Computer kostet 400€;  ein Trainer erhält pro Tag 17€.

 

Wir arbeiten eng mit der Welthungerhilfe zusammen, die sich schon seit  vielen Jahren in der Dorfentwicklung von Htan Tabin engagiert (https://www.youtube.com/watch?v=S8cp3kBbtK8).

 


Neben diesen Projekten engagieren wir uns auch in diesen Programmen:

IV. Stipendienprogramm: Studentenförderung von Toe Wai (seit 2018)

In Myanmar gibt es viele begabte Schüler in ländlichen Gegenden, die ein erstklassiges Abitur ablegen und dann wieder auf die Reisfelder in ihren Dörfern gehen, weil den meisten Eltern das Geld zum Studium fehlt. So verhält es sich auch mit Toe Wai.  2018 hat er im Alter von 16 Jahren (in  Myanmar gibt es nur 11 Schuljahre) sein  Abitur gemacht und sich um ein Stipendium für ein Lehramtsstudium beworben. In seinem Bewerbungsschreiben heißt es: "I do the best for my teaching-learning situation. I try to produce better scholars than before to become a good citizen for my country".  Nun studiert Toe Wai  Lehramt an der Sagaing University of Education. 

Mit 1.200 Euro Stipendium im Jahr können wir ihm das Studium ermöglichen.  Durch E-Mail-Kontakt und regelmäßige Betreuung vor Ort durch eine Mitarbeiterin von stiftunglife ist  für Verbindlichkeit und Supervision gesorgt.

Das Studium von Toe Wai kostet im Monat 100€.

Wir arbeiten hier mit der Organisation stiftunglife zusammen, die ein umfangreiches Förderprogramm für Kinder, Schulen und Studenten in Myanmar betreibt.

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V. Altenheim des Ordens "Sister of the Poor" (ab April 2022)

In Yangon gibt es so gut wie keine Altenheime, Pflegeeinrichtungen oder gar Seniorenresidenzen. Gemäß asiatischer Tradition leben alte Menschen in ihren Familien und werden von Kindern, Enkeln oder anderen Angehörigen versorgt und auch gepflegt. Dennoch gibt es auch Menschen, die keine Verwandten haben oder den Kontakt zu ihren Familien verloren haben. Es sind die Armen, die im Rinnstein aufgelesen werden oder die aus dem Krankenhaus entlassen werden und nicht wissen wohin…

In dem Altenheim des katholischen Ordens "Sister of the Poor" kümmern sich 26 Schwestern um 130 Menschen über 70 Jahre. Unterstützt werden sie dabei von 20 bis 30 christlichen Volontären, die sich (für Essen und ein Dach überm Kopf) auf ein halbes Jahr verpflichten. Der ganze Betrieb wird durch Spenden finanziert. Die massive Verteuerung von  Lebensmitteln seit der Corona Pandemie und der Militärherrschaft gefährden die Versorgung der Bewohner und führen zu erheblichen Einschränkungen. Wir unterstützen daher das Altenheim mit einer regelmäßigen Spende. 
Wir arbeiten hier mit der Organisation stiftunglife zusammen. 

 


VI. Familienförderung von BAAN DOI in Thailand (fortlaufend seit 2017)

Kinderhaus BAAN DOI
Kinderhaus BAAN DOI

BAAN DOI - Kinderhaus am schönen Berg nennt sich eine NGO in Mae Sai, der nördlichsten Stadt Thailands im goldenen Dreieck an der Grenze zu Myanmar und Laos.

BAAN DOI bietet  in seinem  Kinderheim  Waisenkindern ein sicheres Zuhause und eine liebevolle Familie mit Vollzeitbetreuung. Hier wird individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen, wobei das besondere Augenmerk auf Gesundheit und Ausbildung liegt.

Beratung im Familienförderprogramm
Beratung im Familienförderprogramm

Da es im allgemeinen am besten ist, wenn Kinder in ihren Familien aufwachsen, hat  BAAN DOI zusätzlich ein Familien-förderprogramm aufgebaut. Es ermöglicht Waisen- und Halbwaisenkindern, die aus sehr armen Verhältnis­sen kommen, bei ihren Verwandten bleiben zu können. Die Familien sind häufig Angehörige der Bergstämme, Migranten oder Flüchtlinge aus den angrenzenden Ländern.  Sie haben meist keinen Zugang zu Gesundheitsfürsorge, Schulbesuch und Arbeitsmöglichkeiten.  Sie leben unter ärmlichsten Bedingungen und haben kaum Aussicht, sich aus der Armut befreien zu können. 

Wir unterstützen das Pro­­gramm, damit die Familien

 

  • die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen bezahlen können,
  • bei Haushalt, Hygiene, Ernährung etc. angeleitet und beraten werden,
  • an Aktivitäten und Schulungen im Rahmen des Programms teilnehmen,
  • Zuschüsse für Medizin und Ernährung erhalten.

 

Beratung im Familienförderprogramm
Beratung im Familienförderprogramm

 

 

Langfristiges Ziel des Programms ist es, den Familien eine schrittweise Integration in die thailändische Gesellschaft und eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen.  Im diesem Jahr  werden insgesamt 47  Familien mit 177 Persoinen  im Rahmen des Programms unterstützt. Zwölf Jugendliche absolvierten eine höhere Schulbildung bzw. Berufsausbildung.

Eine Familie im Familienförderprogramm wird pro Monat durchschnittlich mit ca.50€, im Jahr also mit ca. 600€ unterstützt.

Wir arbeiten hier mit BAAN DOI zusammen.